Das 1x1 des Konservatismus - Teil IV

December 23, 2018

Panajotis Kondylis nannte sein 1986 erschienenes Buch über den Konservatismus im Untertitel „Geschichtlicher Gehalt und Untergang“. Und er resümiert seinen Standpunkt mit den Worten: “Der Konservatismus als konkrete geschichtliche Erscheinung, die von einer fest umrissenen Ideologie begleitet wurde, ist längst tot und begraben.“ Dieses Urteil leugnet, dass es sich bei konservativen Handlungen und Gedankengängen um eine Konstante handelt, die in immer neuen ideologischen Gewändern auftritt. „Dass wir uns inzwischen >jenseits von links und rechts < befinden, wird man nach alledem nicht glauben können“, beendete der Historiker Paul Nolte seine Überlegungen im Merkur über den Konservatismus in Deutschland, in denen er eine „konservative Anthropologie“ der CDU anmahnte. Der Konservatismus ist tot. Bei dem Anblick des Zustandes dieser „konservativen“ Partei sollte die Annahme wenig überraschen.

 

Was heißt es denn konservativ zu sein ? Es hat einen guten Sinn, wenn man Begriffe auf ihre Wortwurzel zurückführt. Das gilt freilich auch für politische Begriffe, zu deren wichtigsten die Richtungsbezeichnungen Sozialist, Liberaler und Konservativer gehören. Sie alle wurden im 19. Jahrhundert unter Bezugnahme auf das Lateinische gebildet: Sozialist in Ableitung von „socius“, dem Genossen, liberal von „liber“ frei, und Konservativer von „conservare“ , was soviel wie „schonen“, „retten“ oder eben „bewahren“ heißt.

 

Obwohl es von seinen Gegnern behauptet wird, geht es dem Konservativen keineswegs darum, irgendetwas zu bewahren. Er weiß, dass das Bewahren keine Berechtigung an sich hat. Man muss deshalb das zugrunde liegende lateinische Wort noch etwas genauer betrachten, das als „conservare“ eigentlich zu übersetzen wäre mit „etwas in seinem Zusammenhang erhalten“. Deshalb kann konservativ auch nicht in dem Sinne verstanden werden, in dem eine Konserve konserviert wird, denn das in der Konserve konservierte muss abgetötet werden, es behält lediglich das Aussehen von Lebendigem. Dagegen ist der Konservative darauf aus, gerade das Leben zu erhalten. Er fürchtet nicht die Entfaltung des Lebens, sondern dessen Zerstörung durch mutwilligen Eingriff oder inneren Verfall.

 

Einen inneren Verfall der „Konservativen“ innerhalb der CDU konnte man beim CDU Parteitag Anfang Dezember in Hamburg beobachten. Es sind die vermeintlich Konservativen bei den Christdemokraten, die ihre Wahlentscheidung nicht auf Inhalte oder gar Prinzipien stützen; Nein sondern auf die bessere Parteitagsrede. So begründete der junge Hoffnungsträger der „Konservativen“ Phillip Amthor seine Wahl für Annegret Kramp Karrenbauer – die Weiter So Kandidatin. Kann sich eine Partei, in der zahlreiche Mitglieder den Grünen näher stehen als dem eigenen Grundsatzprogramm noch (In Teilen) konservativ nennen? Ist der Konservatismus der CDU bereits tot?

 

Die Konservativen in Deutschland befinden sich heute in einer schizophrenen Lage. Einerseits erlebt das Konservative eine unerwartete Renaissance, so gibt es Bemühungen von ganz verschiedenen Seiten, den Begriff mit neuem Inhalt zu füllen. Andererseits fehlt den Konservativen der politische Bezugspunkt. Es existiert in Deutschland keine Partei mehr, die man mit Recht als konservativ bezeichnen könnte, und in der Union, die viele Konservative lange Zeit als ihre politische Heimat betrachtet haben , vollzieht sich ein Prozess, der dazu führt, dass das konservative Element verschwindet. Weder Verschwörung noch „linker Druck“ müssen angenommen werden, um die Zerstörung des konservativen Elementes in der Merkel-Union zu erklären, es genügt der Hinweis auf die Parteiräson, und die besagt seit Jahren, dass es ohne Konservative geht.

 

Die verfehlte Energiewende, die gescheiterte Politik der offenen Grenzen und einen fehlende Identitätspolitik haben in den vergangenen Jahren zu einem Verfall des Konservatismus innerhalb der größten christlichen Partei Deutschlands geführt. Allesamt sind es Anschläge auf die Konservativen und stehen völlig contraire dem gegenüber, was die CDU einst ausmachte. Der Kanzler der Einheit Helmut Kohl versprach 1980 eine geistig moralische Wende, um gegen den Zeitgeist der 68er vorzugehen.  Viele Beobachter kommen zu dem Schluss, dass Kohl mit dieser Wende gescheitert sei. Heute wissen wir, dass die geistig moralische Wende einen großen Erfolg feiern konnte. Es ist freilich nicht die Wende des Helmut Kohl. Nein, es ist jene geistig moralische Wende, die zu dem inneren und inhaltlichen Verfall des Jetzt geführt hat.

 

Politik der Prinzipien und nicht die Angleichung an den Zeitgeist, was mit einer zunehmenden Sozialdemokratisierung einhergeht, muss wieder der Weg der Zukunft sein. Eine Entwicklung, die nicht bei allen innerhalb der Partei und schon gar nicht innerhalb der Gesellschaft auf Zuspruch stoßen konnte. Wo war der Widerstand der Unzufriedenen? Ist es konservativ, Grundwerte zu verleugnen, bewusst zu ignorieren und Prinzipien zu verwerfen? Nein, gewiss nicht. Aber genauso wenig konservativ ist es, dies zuzulassen.

 

Die Grünen, der Wunschkoalitionspartner der neumodischen sogenannten          Progresssiv-Konservativen, eine Gruppe, die die gänzliche Entwertung beider Begriffe darstellt, sprechen stets von Denen, die schon länger hier leben. Konservative sind nicht jene, die schon länger hier leben. Konservative sind heimatverbunden, ja vielleicht auch patriotisch. Patriotismus steht dabei für das Verlangen nach Erhalt der eigenen Identität, Tradition und Kultur unter Achtung und Beachtung der Werte und vor allem Grundwerte des Nachbarn. Da ist kein Platz für Nationalismus, also dem enthemmten Überhöhen des Eigenen gegenüber dem Anderen, da ist erst recht kein Platz für faschistisches und nationalsozialistisches Gedankengut. Aber genau die Dinge sind es ja, die die linke Lobby unbedingt benötigt – als Grundlage ihrer eigenen Existenzberechtigung. Das stete Beschwören des immer kurz bevorstehenden Wiederausbruchs des Faschismus räumt dieser Linken erst die Existenz und geglaubte moralische Überlegenheit ein. Echter konservativer Patriotismus aber lässt keinen Platz für Faschismus und ist daher selbstverständlich das Schreckgespenst der neuen Linken. Zusammenfassend heißt das: Ja, konservativ heißt auch, sich nicht dafür zu schämen, sich für Volk und Vaterland einzusetzen.

 

 

 

 

Wie geht es weiter mit dem Konservatismus? Ist er noch zu retten oder ist er wie Kondylis es sagt, zu beerdigen? Noch ist der Sarg nicht unter der Erde, auch die Trauergemeinde, die doch sehr klein ausfallen würde, muss noch nicht eingeladen werden. Noch besteht Hoffnung, Hoffnung auf ein Überleben. Die Zukunft des Konservatismus liegt in der Heimat, der Freiheit und der Tradition. Es liegt an den wahren Konservativen, die Falschen zu entlarven und sich auf seine Werte, Tugenden und Prinzipien zu besinnen. So kann auch eine konservative Revolution innerhalb der Union gelingen. Es bedarf eines Aufstandes der Anständigen. Einen Aufstand, der dem Zeitgeist mutig und entschlossen entgegentritt und das Wir betont. Wir sind keine Produkte des Zufalls, sondern stehen auf dem Fundament eines Erbes, das uns prägt. Dieses Erbe ist keine Last, weil wir es als Teil unseres Lebens bewahren. Wir sind konservativ.

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