Das 1x1 des Konservatismus - Teil III

October 28, 2018

 

 

Konservatismus ist keine Ideologie oder ein politischer Schlagbegriff. Im Gegensatz zu einigen anderen gesellschaftlichen oder politischen Auffassungen und Sichtweisen definiert sich der Konservatismus nicht in Abgrenzung und versteht sich nicht als Alternative. Genauso unreflektiert ist es zu behaupten, dass konservative Politik rückwärtsgewandt sei und den gesellschaftlichen Fortschritt behindere. Der Konservatismus stellt sich dagegen, gesellschaftliche oder politische Fragestellungen durch den Bruch mit dem Alten, mit dem scheinbar Überkommenden beantworten zu wollen. Das „einfach etwas anderes machen“ widerspricht der Tatsache, dass eine Gesellschaft immer auf einem konkreten Wertefundament fußt. Genau dieses „einfach anders machen“ zeugt von keiner gesellschaftlichen Verantwortung. Politik ist dann nicht auf ein miteinander ausgerichtet, sondern stets auf die Frage der Deutungshoheit.

„Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen und die Zukunft nicht gestalten“ (Helmut Kohl). Im Wesentlichen ist damit gemeint, dass politische Entscheidungen nicht auf Grundlage von unreflektierten Meinungsdebatten getroffen werden, sondern stets eine Problematik in ihrer Gesamtheit betrachtet wird.

Nur mit einem festen Kurs und klaren Koordinaten lassen sich Lösungen finden, die gesamtgesellschaftlich akzeptiert werden können.

 

Ein konservatives Gesellschaftsbild zeichnet sich zunächst einmal dadurch aus, dass es jeden Menschen individuell im Blick hat. „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen“(Art. 1 der Menschenrechtscharta). Die Achtung und  Wahrung der Menschenwürde in einer Gesellschaft ist ein unveräußerliches Recht. Der Rechtsstaat garantiert, dass auch Straftäter sich stets auf dieses Recht berufen und verlassen können. Auch muss die Fehlbarkeit eines Bürgers berücksichtigt werden. Der Anspruch ist es also, Politik appelativ zu betreiben. Entscheidungen müssen sich also in einem gesellschaftlichen Diskurs ergeben, ohne Teile davon auszuschließen oder sie ideologisch zu stigmatisieren. Eine Bevormundung von Bürgern kann nicht dauerhaft zu einer globalen Lösung führen. Zusätzlich richtet es den Auftrag an jeden Bürger, sich aktiv am politischen Geschehen zu beteiligen. Ein Sozialstaat ist kein Wohlfahrtstaat; („Ask not what your country can do for you- ask what you can do for your country“, J.F. Kennedy). Gesamtgesellschaftliches Handeln kann nicht aus der Diktion des Staates erzwungen werden, sondern geht aus der empfunden Verantwortung eines jeden Bürgers heraus. Die gesetzlich garantierte persönliche Freiheit geht auch immer mit einer Verantwortung einher. Der Konservatismus möchte an diese Verantwortung eines jeden appellieren und bezieht sich dabei immer auf eine konkrete Wertevorstellung. Es geht dabei darum, für seine Überzeugungen im Diskurs einzustehen, nicht immer die bequemste Lösung zu wählen und natürlich anderen Positionen offen gegenüberzutreten. 

 

Politik und  Gesellschaft müssen die Grundlage schaffen, dass Engagement und Individualität belohnt und gefördert werden können.  Dabei geht es im Besonderen nicht um eine Nivellierung, sondern um eine Ausdifferenzierung. Eine Gesellschaft kann nur dann funktionieren, wenn jeder Bürger die Möglichkeit hat, sein Bestes zu geben. Der Begriff Beruf muss seinem Namensursprung „Beruf-ung“ gerecht werden können. Voraussetzung dafür ist ein Bildungssystem, das fördert und fordert. In gleichem Maße verlangt dieses Prinzip auch, dass eine Gesellschaft diejenigen unterstützt und fördert, die Schwierigkeiten damit haben, ihren Lebensalltag zu bewältigen.

 

Selbstverständlich steht Konservatismus für Vielfalt und kulturellen Pluralismus. Die besondere Bedeutung der Religionsfreiheit ist inhärent. Die Gewährung des konkreten individuellen Gestaltungsspielraums eines Bürgers darf in einer Gesellschaft nicht zu einer Beliebigkeit führen. Die Ausgestaltung des gesellschaftlichen Miteinanders wird durch einen konkreten Wertebezug begrenzt und auch dadurch erst ermöglicht. Somit steht der Konservatismus für einen starken Rechtsstaat. Insbesondere verdienen die Polizei und die Soldaten eine besondere gesellschaftliche Anerkennung. Sie stehen mit ihrem Leben für die Sicherheit eines jeden Bürgers und die freiheitlich demokratische Grundordnung ein.

 

Konservative Politik bezieht sich, wie oben dargelegt, immer auf ein konkretes Wertefundament. Es ist der Minimalkonsens, auf den sich eine Gesellschaft beruft und auf deren Grundlage Integration und kulturelles Miteinander gestaltet werden sollte. Dazu zählen neben der unveräußerlichen Menschenwürde die besondere Bedeutung und der Schutz der Familie sowie der Ehe: „Die Erziehung der Kinder ist eine Uraufgabe, eine von Gott den Eltern auferlegte Pflicht, ist ihr ureigenes Recht“ (Franz Josef Strauß). Die Erziehung von Kindern ist damit nicht die prinzipielle Aufgabe des Staates. Der Konservatismus sieht darüber hinaus Arbeit und individuelle Leistung auch immer als immateriellen Wert an, nicht nur als reine Beschaffungsmaßnahme.

Jede Nation ist stolz auf ihre Kultur und Errungenschaften und damit auch ein Erbe ihrer Geschichte mit allen Höhen und Tiefen (Thomas de Maizière) Daneben wird das Wertebild auch immer von religiösen Grundfesten geprägt, wie im letzten Beitrag dargelegt wurde. Es macht das Selbstverständnis einer Nation und damit jeden Bürgers aus und verpflichtet zum Miteinander in der Staatengemeinschaft. Umwelt-, Klima- und Heimatschutz sind Eckpfeiler des Konservatismus. Die Natur und das Leben von der Natur bedeuten für viele Menschen Heimat und Orientierung. Sie gehört damit zur kulturellen Identität. Konservatismus bedeutet nicht das Verweigernde, sondern das Bewahrende. Er ist nicht rückwärtsgewandt, sondern sucht innovative und zukunftssichernde Lösungen für gesellschaftliche und politische Fragestellungen. Die Gestaltungsgrundlage dafür sind nicht spaltende  Ideologien, sondern einende Wertevorstellungen.

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